Endstation Sehnsucht (aus dem „SZ-Magazin“)

Die lange Odyssee von Keiko, dem Killerwal, ist endlich zu Ende: Sein Leben lang in zu kleinen Becken gehalten, soll der Star aus „Free Willy“ nun in die Freiheit schwimmen. Aber Keiko traut sich nicht – er hat Angst vor dem Meer

Orca aus SZ-MagazinDas Drama beginnt mit einem Happy-End: Am Schluss von „Free Willy – Ruf der Freiheit“ entflieht der Killerwal seiner Gefangenschaft mit einem mächtigen Satz über eine Mauer – für Kinder der magische Kinomoment des Jahres 1993. Mit seinen wilden Brüdern und Schwestern schwamm der Film-Orca in den Sonnenuntergang, weltweit hatten die Kinder ein neues Lieblingstier und Warner Brothers freuten sich über einen Hundert-Millionen-Dollar-Hit. Dann enthüllte die US-Zeitschrift „Life“, dass es dem Willy-Darsteller Keiko in Wirklichkeit noch elender erging als im Film: Untergewichtig und krank kümmerte er in einem Winzbecken dem Tod entgegen. Auf einen Schlag hatte die abstrakte Willy-Liebe ein konkretes Objekt, mit dem die leider nur 107 Minuten währende Kinogeschichte fortgesetzt werden konnte – Free Keiko!

Die Liebe kam mit voller Wucht über Keiko. Sie spülte ihn von Mexiko nach Oregon, dann von Oregon nach Island. Südöstlich von Reykjavik lebt der Orca nun in einem Netzkäfig – das bekannteste, teuerste und bestbewachte Tier der Welt. Ganz sicher jedoch nicht das glücklichste. Denn obwohl bereits mehr als 12 Millionen Dollar in den Versuch gesteckt worden sind, den Zirkus- in einen Killerwal zu wandeln, findet Keiko das Meer vor allem befremdlich. In auswildern zu wollen wirkt wie der Versuch, einen Erstklässler zum Fremdenlegionär auszubilden. Keiko ist ein autistisches, zurückgebliebenes, hilfloses Wesen, kurzum: der Kaspar Hauser unter den Tieren.

Ein isländischer Fischer fängt den Orca 1979 und verkauft ihn an ein einheimisches Aquarium. Keiko ist knapp zwei Jahre alt, ein noch nicht abgestilltes Killerwal-Kleinkind. Drei Jahre später erwirbt ihn der Marineland-Freizeitpark in Ontario. Hier beginnt Keikos Verhausschweinung: Er lernt jene Tricks, mit denen er später sein Publikum amüsieren soll. Hier fängt er sich auch eine Vireninfektion ein, die sich zu einer quadratmetergroßen Wucherung um die Brustflossen ausweitet.

1985 stockt der Reino-Aventura-Freizeitpark in Mexiko-Stadt seinen Meeressäugerbestand mit dem Nachwuchsclown Keiko auf, der jetzt schon 350.000 Dollar kostet und entsprechend viel einbringen muß. Zehn Jahre bleibt der isländische Wal in Mexiko, zehn Jahre belustigt er Schulkinder mit Rückenschwimmen und dergleichen Kunststücken mehr. Im viel zu flachen Becken kann Keiko kaum schwimmen, der fehlende Auftrieb läßt seine Rückenflosse bald herabsinken. Hier bekommt er seinen Namen, der japanisch ist und „der Gesegnete“ bedeutet; hier entdecken ihn die Talentscouts des Hollywood-Studios Warner Brothers. Für ein Projekt namens „Free Willy“ suchen sie einen handzahmen Orca, den im Film ein Junge aus den Fängen eines skrupellosen Freizeitpark-Besitzers befreien soll.

„Free Willy“ gewinnt dem gefangenen Orca 1993 die Herzen von Millionen Menschen. Warner freut sich über den Gewinn – bis die Reportage in „Life“ erscheint. Nun weiß die Welt: Keiko erleidet dasselbe Schicksal wie der Filmwal, nur ohne Aussicht auf Besserung. Mit einem Schlag stehen die Warner-Leute als Lumpenbande da. Täglich erreichen Tausende von Briefen und Anrufen das Studio – umgehend wechselt Warner die Fronten und kämpft hinfort an der Spitze der Keiko-Befreiungsfront.

Hinter den Kulissen beginnt ein Hauen und Stechen um Keiko: Wer den Wal unter seine Fittiche nehmen darf, hat die Kinder aller Länder auf seiner Seite und die Aufmerksamkeit der Weltpresse sowieso. Der Sieg in diesem Kampf eint eine Grupe von Menschen, die im Grunde nichts verbindet: die „Free Willy“-Produzenten Richard und Lauren Donner; die Warner-Gewaltigen; den Chef des Freizeitparks Reino Aventura; die Umweltgruppe Earth Island Institute sowie den bis dahin nur als Mobiltelefon-König in Erscheinung getretenen Craig McCaw. Sie gründen die Free Willy Keiko Foundation (FWKF) und werden rasch mit dem Oregon Coast Aquarium in Newport einig: Dort soll ein neues Becken entstehen, in den Keiko walwürdig leben und auf die sogenannte Freiheit vorbereitet werden kann.

Weltweit schlachten Kinder ihre Sparschweine, um zu Willywals neuem Zuhause beizutragen. Für siebeneinhalb Millionen Dollar, die zum größten Teil aus Spenden stammen, baut das Orgeon Coast Aquarium ein neues Becken mit nahezu keimfrei gefiltertem Meereswasser, auf dass Keiko seinen Herpes loswerde. Im Januar 1996 erlebt der Wal dann den Triumphzug durch ein Spalier jubelnder und weinender Fans: Die Kurierfirma UPS, zum offiziellen Sponsor befördert, bringt ihn in einer Frachtmaschine nach Oregon. In einer mit bis zu 28 Grad viel zu warmen Dreckbrühe hat Keiko in Mexiko leben müssen; im kalten Wasser des neuen Aquariums blüht der Wal auf. Nach einem halben Jahr wiegt er bereits 4500 Kilo, im Aventura-Park waren es zuletzt nur noch 3500 gewesen: auch seine Haut heilt fast vollständig.

Doch nach wie vor kann der Orca nicht länger als zwei Minuten unter Wasser bleiben. Auch die Sache mit den Fischen kapiert er nicht so ganz: Lachse, die man zu ihm ins Becken setzt, frißt Keiko nicht, er apportiert sie – gelernt ist gelernt. Gleichwohl erklärt das Wissenschaftlerteam der Stiftung im August 1998, Keiko sei nun bereit für den Transport in heimische Gewässer. Zuvor hatte die isländische Regierung ihre zunächst ablehnende Haltung aufgeben müssen,  nachdem unter anderem Brigitte Bardot um Asyl für den Wal bat. Auch die amerikanische Regierung läßt sich nicht lumpen: Die US Air Force übernimmt den Transport. Drei Millionen Dollar kostet der Umzug, von dem 750 Journalisten und Dutzende Fernsehsender berichten.

Im September 1998 landet der tierische Popstar in Island. Die vorläufige Endstation von Keikos Odyssee ist ein 70 Meter langes, 30 Meter breites und 10 Meter tiefes Netzgestell, verankert in einer Bucht der isländischen Insel Heimaey. Den Abschied von Newport, Oregon, bestimmen kreischende Kinder und trauernde Lokalpolitiker, hatte der Orca doch der Stadt 70 Millionen Dollar Mehreinnahmen durch Touristen beschert; die Ankunft in Heimaey, Island, verläuft kühl. Die Bewohner des Landes, sowieso nicht für Gefühlsduselei bekannt, stehen dem prominenten Wal skeptisch gegenüber. Was viele denken, spricht der Fischer Jon Gunarsson aus, der Keiko einst gefangen hat: „Man hätte Keiko in kleine Stücke schneiden und als Nothilfe in den Sudan schicken sollen. Aus dem Fleisch des Wals ließen sich 60.000 Frikadellen herstellen. Damit könnte man sehr, sehr viele Menschen eine Weile satt machen.“ Als bei einer Zeitung in Reykjavik Morddrohungen gegen Keiko eingehen, heuert die Stiftung sechs Wachmänner an.

Keiko selbst muß sich fühlen wie ein Kind bei der ersten Fahrt in der Geisterbahn. Zum ersten Mal nach 19 Jahren Gefangenschaft schwimmt der Orca in einem Meer, ungewohnt ist für ihn schon, dass sich unter ihm kein Boden befindet, sondern dunkle Tiefe. Die voller Bewegung ist, in der es klingt, strömt, tost; ein Meer mit sprühender Gischt und Wellen, die ihn schaukeln. Keiko, der lang kaum mehr gehört hat als das Brummen einer Umwälzpumpe, lauscht den tausend neuen Klängen: den ins Wasser plumpsenden Papageientauchern, den vorüberschippernden Fischtrawlern, den über den Grund kullernden Steinen, dem Pfeifen des Windes und dem Wüten der Stürme. Mal spitzt eine Robbe durch die Maschen seines Netzes, mal schaut ein Schwarm Rotbarsche vorbei. Den sechseinhalb Meter langen Keiko erfüllt ein Gefühl, das Orcas, die größten Raubtiere der Welt, im Grunde nicht kennen: Furcht.

Behutsam will das Team den Wal mit seiner natürlichen Umgebung vertraut werden lassen. Und steht vor einem Paradox: Je mehr Keiko sich selbst überlassen werden soll, desto größer wird der Aufwand der Keiko Foundation. Rund um die Uhr kümmern sich 18 Betreuer und Bewacher um den Wal. Überwasserkameras und eigens entwickelte Unterwasserkameras halten jede seiner Bewegungen fest, demnächst sollen sie ihre Bilder auf die Website der FWKF übertragen; in der ganzen Bucht verteilte Mikrofone nehmen Keikos Laute und die womöglich irgendwann vorbeiziehender Artgenossen auf. Früher blickte Keiko jedem sich nähernden Menschen erwartungsvoll entgegen, inzwischen schert er sich mitunter nicht einmal um neue Gesichter; schon das feiert die Stiftung als Meilenstein seiner Killerwerdung.

„Aerobic“ nennen seine Trainer die Übungen, die sie Keiko viermal am Tag absolvieren lassen. Fast wie in alten Showtime-Zeiten springt dann der Wal, um sich seine Ration Hering zu verdienen. Ein Drittel seines Tagesbedarfs von 70 Pfund bekommt Keiko als Belohnung, wenn er sich „selbständig verhält“ oder „eigene Entscheidungen trifft“: Heringe gibt’s fürs Beäugen eines Vogels oder das Verfolgen eines Dorschs, nichts fürs Betteln. Die Bewegung kann Keiko nicht schaden: Wenn er sich länger als zehn  Minuten am Stück bewegt, geht ihm die Puste aus. „Er ist eben wie ein LKW, der 20 Jahre nur im Stop-and-go-Verkehr bewegt wurde“, sagt Jeff Foster, der für Keiko verantwortliche FWKF-Director of Field Operations; er verschweigt nicht, dass wilde Orcas manchmal 150 Kilometer am Tag zurücklegen.

Zur Zeit läßt die Foundation ein Netz vor der Bucht spannen, damit ihr Schützling sich ans offene Wasser und an natürliche Grenzen gewöhnt. Als nächstes soll er lernen, einem Kutter zu folgen. Wie ein Hund seinem Herrn soll ihm Keiko später bei Ausflügen aufs Meer hinterher schwimmen. Dabei einem Rudel seiner Artgenossen zu begegnen, wäre die große Hoffnung – und ein enormes Risiko. Niemand kann voraussagen, ob die wilden Orcas Keiko ignorieren, zur Kenntnis nehmen oder schlichtweg töten. „Das werden wir herausfinden“, sagt Jeff Foster. Seit 30 Jahren beschäftigt sich der Verhaltensforscher mit Meeressäuger, und im Gegensatz zu seinen Arbeitgebern macht er keinen Hehl aus seiner Meinung, dass Keiko wohl nie in Freiheit leben können wird. Schon in Oregon kümmerte sich Foster um den Orca; dort erlebte er häufig, dass Keikos Jünger quasi-religiöse Sitzungen an seinem Pool abhielten und als Opfergabe ihren Schmuck in sein Becken warfen.

Trotz intensiver Forschung weiß man wenig über Orcas, die extrem mobil sind und 95 Prozent ihres Lebens unter Wasser verbringen. Die wenigen bekannten Fakten indes lassen für Keiko keine Hoffnung aufkommen: Killerwale bleiben ein Leben lang bei ihrer Mutter und dem Rudel, in das sie geboren werden – alles kriegen und lernen sie bei diesem Rudel. Wie alle hoch entwickelten Beutegreifer verfügen Orcas über scharfe Sinne und ein reiches Repertoire von Stimmungsäußerungen. Killerwale sehen über und unter Wasser gleich exzellent, hören auf herkömmliche Art hervorragend und verfügen zudem über ein Sonarsystem, dessen Ultraschallwellen ihnen ein genaues räumliches Bild ihrer Umgebung verschaffen. So vermögen Orcas selbst bei völliger Dunkelheit nicht nur Objekte zu lokalisieren, sondern auch die Größe und Geschwindigkeit der potenziellen Beute zu bestimmen.

Da Keiko organisch gesund ist, funktionieren auch bei ihm diese Sinne. Aber nur theoretisch. Werden sie nicht geschult und genutzt, verkümmern sie; wer in Dunkelheit aufwächst, erblindet. Keiko, diese an sich hoch begabte und intelligente Tier, muß man sich als seelischen und sinnlichen Krüppel vorstellen. Er hatte nie die Chance, zu einem richtigen Killerwal zu werden, weil er seine prägenden Jahre in reizarmer Einzelhaft verbringen mußte. Die Menschen, seine wohlmeinende Ersatzfamilie, freuten sich schon, wenn Keiko mit den Brustflossen wedelte; verglichen mit den komplexen Strategien freilebender Orcas sind das Kindergartenspielchen.

Für viele Naturvölker sind Orcas die Wölfe des Wassers – ein Ausdruck großen Respekts. Tatsächlich verfügen Killerwale, darin den Wölfen ebenbürtig, über eine Vielzahl ausgefeilter Jagdtechniken. In norwegischen Fjorden inszenieren sie zur Zeit des Heringszugs ein tödliches Unterwasserballett: Zu mehreren schwimmen die Orcas neben und unter dem Silberstrom der Heringe her, bis ihr Geleitzug einen Teil des Schwarms abgetrennt hat. Dann beginnen sie ihn zu umkreisen. Immer dichter schwimmen die Heringe zusammen, immer enger werden die Kreise der Orcas. Langsam drücken sie den Strudel aus Abertausenden Fischen in Richtung Oberfläche, wo das Schlachtfest beginnt. Einer der Wale betäubt die Heringe mit einem Schlag seiner Schwanzflosse und sammelt sie ein, während die anderen den Rest zusammenhalten.

Die eindrucksvollste Jagdtechnik demonstrieren Orcas vor der argentinischen Küste. Wenn sich die Seehunde zur Setzzeit am Strand versammeln, schwimmt ein erfahrener Orca vorbei, so dass seine Rückenflosse als weithin sichtbares Signal der Bedrohung aus dem Wasser ragt. Ein Ablenkungsmanöver – denn während die Robben dem einen Orca hinterherstarren, peilt ein anderer ihre Entfernung vom Wasser und den Takt der Brandung, nimmt Schwung und donnert mit Urgewalt an Land, bis zuletzt verborgen in einer großen Welle. Dann packt er gezielt das Tier, das er sich vorher ausgesucht hat. Häufig wuchten sich zwei Orcas zugleich an Land und rutschen dann aufeinander zu, um der Beute den Fluchtweg abzuschneiden.

Das Manöver des kontrollierten Strandens ist für Orcas schwer zu erlernen und gefährlich. Monatelang nimmt ein Robbenjagd-Meister einen Jungwal in die Lehre, bevor der es zum ersten Mal wagt, sein Element in einem Probeangriff zu verlassen. Selbst dann kommt der Profi mit an Land, um seinen Schützling notfalls wieder ins Meer zu bugsieren. Bevor ein junger Orca sich an Beutezügen beteiligt, hat er lange zugesehen und dabei alles gelernt: wie ein Oktopus schmeckt und wann die Lachse ziehen. Er hat sich die ersten Jahre nur wenige Meter von seiner Mutter entfernt und dabei die unabdingbare Bindung an sie und seine Familie erworben. Die geht so weit, dass ein Orca-Säugling schon Tage nach der Geburt im selben Rhythmus atmet wie seine Mutter – eine Synchronisation, die ein Leben lang anhält. Schließlich kennt ein junger Orca die Launen eines alten Bullen ebenso wie die Rituale der Paarung; er weiß, welche Quallen seine Haut verbrennen, dass mit der Strömung zu schwimmen weniger anstrengt und zum Atmen alle gemeinsam auftauchen.

Vor allem kann sich der Wal nach seinen Lehrjahren mit den Mitgliedern seines Rudels verständigen. Orcas verfügen über Dutzende Laute, mit denen sie Zorn oder Übermut kundtun, auf Beute aufmerksam machen oder das Luftholen koordinieren. Die argentinischen Orcas geben andere Laute von sich als die vor Neufundland; selbst innerhalb eines bestimmten Gebiets haben die verschiedenen Verbände einen eigenen Dialekt ausgebildet.
Und Keiko? Spielt mit Lachsen, statt sie zu fressen. Findet Robben nicht lecker, sondern interessant. Weiß nicht, wo sich Heringe zum Laichen versammeln. Würde verhungern, wenn keiner ihn füttert. Ist nach ein paar Minuten Schwimmen erschöpft. Hält Menschen für Freunde. Hat ein verkümmertes Sonarsystem, weil es in seinen Becken nichts aufzuspüren gab. Schlimmer noch: Keiko hat die Sprache seiner Muttersippe entweder nie richtig gelernt oder längst vergessen. Träfe er auf Artgenossen, wüßte er nicht al, wie man guten Tag sagt und in welchem Tonfall. Darüber hinaus deuten die paar Orca-Brocken, die Keiko von sich gibt, eher auf eine von den Faröer-Inseln stammende Herkunftssippe als auf eine isländische. Die Chancen, seine Familie wiederzutreffen, gehen gen Null. Auch die von einem fremden Rudel aufgenommen zu werden. Und allein kommt nicht mal ein wilder Orca durch.

Keine Frage: Keiko geht es in Island besser als in Mexiko. Aber aus ihm einen Killerwal machen zu wollen ist aussichtslos. Keiko ist längst zu einem Panda der Ozeane geworden: einer schwarzweißen Identifikationsfigur, die Umsatz bringt und Spenden und Sympathie. 11 Euro kostet ein Fish-and-Chips-Gericht namens Keiko’s Favorite im Flughafenrestaurant von Reykjavik; 17 Euro ein „Keiko home at last“-Sweatshirt des FWKF; bald 13 Millionen Dollar bislang Keikos Auswilderungsversuch. Was passiert, wenn die Foundation zugibt, dass die Menschen den 19jährigen zum Krüppel gemacht haben? Dass er die vielleicht 30 Jahre, die er noch zu leben hat, auf ihre Hilfe angewiesen bleibt? Dann ist die FWKF nur wieder eine von vielen Umweltgruppen. Dann wird sich der Handymilliardär McCaw ein anderes Sponsor-Maskottchen suchen müssen. Vor allem aber verlieren dann Millionen Menschen ein Symbol für Freiheit und Wildheit, an dem stellvertretend wieder gutgemacht werden soll, was wir den vielen namenlosen Tieropfern der Zivilisation angetan haben.
Die meisten Keiko-Fans wissen eine Menge über ihren Liebling und wenig über Killerwale, sie wollen wohl auch nicht die Wahrheit über Keiko erfahren. Es mag ihnen ein Trost sein, dass er nie tun wird, was richtige Orcas gern mit Robbenbabys machen: sie in die Luft werfen, wieder auffangen, ein paar Meter davonschwimmen lassen, erneut fangen – und erst dann töten.